Triple-Trip zur Deutschen Meisterschaft der Leistungsklasse

dm 2017 2Der Bayernkader holt im Zeichen der Olympischen Ringe drei Goldmedaillen

Neumünster. Das nördlichste Bundesland Schleswig-Holstein war mit Neumünster in diesem Jahr Gastgeber der Deutschen Meisterschaft der Leistungsklasse und für Menschen mit Behinderungen. Insgesamt reisten 506 Sportler aus 154 Vereinen an, um am 8. und 9. April 2017 in der Holstenhalle die begehrten Titel auszukämpfen.

Das Wochenende war aber auch Schauplatz einiger Premieren. Zum ersten Mal wurde eine Deutsche Meisterschaft im Zeichen der Olympischen Ringe ausgetragen und erstmals sendete ranFighting das komplette Wochenende per Live-Stream ins Internet. Auch wurden versuchsweise die Begegnungen auf 7 Kampfflächen durchgeführt, wovon es eine erhöhte Podesttatami gab.


Kleiner Video-Trailer von Melanie Feldmeier über die großartigen Kata-Erfolge



Weitere Videos gibts hier: zum BKB Videoportal

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Der Bayernkader musste diesmal quer durch die Republik reisen, um sich mit der deutschen Spitze messen zu können. Axel Krusch stellte sich als Busfahrer zur Verfügung, damit der größte Teil unserer Kader-Athletinnen und Athleten geschlossen in den hohen Norden fahren konnten. Dass dieses Wochenende so erfolgreich und emotional werden würde, hätte wohl niemand im Vorfeld erwartet.

Samstag

Am Samstag startete die Meisterschaft mit Kata-Einzel der Damen und Kata Team der Herren. Grundsätzlich präsentierten sich unsere Athletinnen und Athleten in Bestform, so das die ersten Runden teilweise eindeutig mit 5:0 gewonnen wurden. Fabienne Dyroff (SV Unsu Karate Mömlingen e.V.) und Martina Resch (TSV Poing) setzten sich in diesem hochkarätigen Starterfeld bis ins Poolfinale durch. Zwar konnten beide ihre Konkurrentinnen nicht bezwingen, Martina hatte allerdings noch die Chance auf Bronze in der Trostrunde. „Vor dem Kampf war ich extrem fokussiert. Ich bin letztes Jahr so knapp an der Bronzemedaille vorbeigeschlittert, da war mir klar, dass mir das dieses Jahr nicht passieren würde.“ Martina schaffte im kleinen Finale die Sensation, als sich diese mit Ihrer Kata Anan und den eindeutigen 4:1 Punkten ihren dritten Platz am Treppchen erkämpft hat. „Ich war einfach nur extrem zufrieden und stolz. Am allermeisten hat mich aber beeindruckt, dass sich viele andere Bayern für mich so sehr gefreut haben. Das hätte ich nicht erwartet und das war wirklich sehr schön.“

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Parallel schafften es die Kata-Jungs vom SV Unsu Karate Mömlingen e.V. (Julian Thierolf, Nawapon Pattanasakoo und Marco Gröschl) sich überragend ins Finale durchzusetzen. Aufgrund einer kleinen Unaufmerksamkeit, musste sich das Trio mit der Silbermedaille begnügen. Zwar wäre sicherlich leistungstechnisch auch Gold möglich gewesen, allerdings ist dieser Vize-Titel bereits ein großer Erfolg für unsere jungen Athleten.

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Im Kumite setzten sich viele unserer Starterinnen und Starter weit nach vorne durch, mussten dann meistens in knappen und hart umkämpfen Fights im Pool- oder Halbfinale ihrer Konkurrenz den Vortritt lassen. Diejenigen die noch eine Chance in der Trostrunde bekamen, nutzten diese dann aber souverän, so das sich Linda Hagen im Kumite -50kg, Abdül-Kadir Basaran im Kumite -84kg und Karl Meister im Kumite -84kg verdient ihre Bronzemedaille erkämpften.

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Lediglich Nico Drexel schaffte es, seine Konkurrenz in herausragender Weise in die Schranken zu weisen und sich ins abendliche Finale zu platzieren. Der Kemptner stand bereits 2015 im Duell um Gold auf der Tatami, konnte sich damals aber nicht durchsetzen. Nun – zwei Jahre später – wollte er es mit mehr Erfahrung und Routine nochmals wissen. „Ich war sehr fokussiert und konnte es kaum erwarten auf die Kampffläche zu gehen und loszulegen. Der Titel war mir sehr wichtig.“ Im Hintergrund fieberte und feuerte ihn der Rest der Mannschaft kräftig an. „Ich hörte im Kampf meine Bayern, das habe ich während meines Finals wahrgenommen. Diese Rückendeckung hilft jeden Einzelnen bei den Kämpfen, nicht umsonst hat in meinen Augen fast jeder eine gute Leistung gezeigt, auch wenn das Endergebnis manchmal ausblieb.“ Sein Resultat war letztendlich der Deutsche Meistertitel. Voller Freude rannte er zu Gerhard und bedankte sich im Anschluss direkt bei seinen bayerischen Fans für ihre Unterstützung. Durch seinen Erfolg ist er nun nach Heinrich Leistenschneider im Bundeskader zu einer festen Besetzung geworden. Er darf an der kommenden Europameisterschaft im Mai im Team starten und bekommt vielleicht auch mal von den DKV Verantwortlichen das Vertrauen mit einem Einzelstart auf internationale Ebene.

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Glück und Unglück liegen oft nicht weit auseinander. Hans Hawe musste das in Neumünster schmerzlich erfahren. Er war in Topform, er war motiviert und hat eine intensive Vorbereitung durchzogen. Nach all den Jahren, wo es nie so richtig klappte, wollte er es in diesem Jahr wissen und kämpfte sich spektakulär ins Duell um den Einzug ins Finale vor. Dort machte er die erste Wertung, dominierte seinen Kampf und musste nur noch 15 Sekunden über die Zeit bringen, als er von seinem Gegner unglücklich angegriffen wurde, stürzte und sich damit sein Kreuzband riss. „Erstmal war´s ja nur der Schmerz und das Krachen im Knie, was mich irritiert hat. Als ich nicht auftreten konnte, kam langsam die Realität, dass ich nicht weiterkämpfen kann und damit die Aussichten auf das Finale aufgeben musste.“ Er wurde gleich von Dr. Thomas Bäuml ärztlich betreut, das half aber über die Enttäuschung nicht einfach hinweg. „In dem Moment war ich emotional extrem am Boden, gezwungen sein aufzugeben. Gerade jetzt wo alles gepasst hätte,“ so Hans der nun nach seiner anstehenden OP erstmal wieder fit werden muss. An dieser Stelle gute Besserung.

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Sonntag

Alle guten Dinge sind Drei! Am zweiten Wettkampftag starteten die Kata-Disziplinen im Herren Einzel und Damen Mannschaften. Die nächsten Stunden waren wieder geprägt von vielen bayerischen Erfolgen und Emotionen. Bei den Teams der Damen standen unsere routinierten Mädels von der KG Bayern auf der Tatami. „Seit unserem ersten Training hat Momo immer gesagt, dass die Chance auf den deutschen Meister irgendwann einmal kommt und wir es, wenn sie da ist, ausnutzen sollen“, so Lisa Kirchner. An diesem Tag war es dann tatsächlich soweit, da das Nationalteam leider verletzungsbedingt nicht starten konnte und sich Susanne Beinvogl, Fabienne Dyroff und Lisa Kirchner nun mit viel Ehrgeiz zum dritten Mal in Folge für das Finale qualifizierten.

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Mit was allerdings keiner im Vorfeld gerechnet hat: Auch im anderen Pool kämpften sich Nicole Bock, Judith Marx und Lisa Meyer mit der KG Höhenkirchen-Augsburg ebenfalls souverän ins spätere Duell im Gold. Demnach hatten wir bereits zwei Finalisten aus Bayern. Die aktuelle Zusammensetzung der KG Bayern, welche von Irmgard Borgs und Momo Abu-Wahib trainiert wird, wollten sich den greifbaren Titel nicht mehr nehmen lassen. Die KG Höhenkirchen-Augsburg gab ihr bestmöglichstes, konnte aber gegen die Routine und der stark ausgeführten Darbietung der KG Bayern nichts entgegensetzen, so dass es Susanne Beinvogl, Fabienne Dyroff und Lisa Kirchner im dritten Jahr geschafft haben: Deutscher Meister im Kata-Team. „Als wir dann endlich Deutsche Meisterinnen waren, fiel ein riesengroßes Stück Erleichterung von mir ab! Endlich! Endlich haben wir den Kata Damen Mannschafts-Titel holen können.

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Nach drei bestrittenen Finals der letzten Jahre“. Wir umarmten uns und hüpften und freuten uns und sagten andauernd: Wir sind Deutsche Meister, wir sind Deutsche Meister! Wir haben es geschafft! Und es flossen auch ein paar Freudentränen meinerseits, da ich nie damit gerechnet hätte, dass es so kommen wird, wie es an dieser Deutschen der Fall war“, erzählte Fabienne nach ihrem Sieg mit ihren Mädels. „Zunächst habe ich mich sehr gefreut, dass zwei bayerische Teams im Finale standen. Die Höhenkirchner, trainiert von Daniel Sigl, waren ja in der Vorbereitung auch ein paar Mal bei mir,“ so Irmi Borgs. „Als die KG Bayern sich dann den Titel geholt hat, dachte ich mir nur –wow- jetzt sind sie Deutscher Meister, das haben sie sich wirklich verdient.“

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Die letzte Goldmedaille war schon ein Klassiker, denn Ilja Smorguner vom Seiko-Karate e.V. stand nun bereits zum 5. Mal im Finale einer Deutschen Meisterschaft der Leistungsklasse. Der Weg dorthin ist allerdings nicht immer leicht, denn auf dieser Ebene gibt es viele Nachwuchsathleten, die ebenfalls gute Leistungen zeigten. Sein großes Aushängeschild ist seine dominierende Präsenz und die blitzschnellen und kraftvollen Techniken. „Ich war so aufgeregt, das ich in der Früh einer von den Ersten in der Halle war. Vor allem hatte ich Respekt vor dieser Tatami auf dem Podest in der Mitte. Bis jetzt gab es sowas nur auf WM und EM im Finale. So ein Podest ist wie ein Trampolin, man muss sich schon sehr konzentrieren, nicht zu wackeln.“ Im Finale stand dann sein schärfster Konkurrent Philip Jüttner vom Judokan Frankfurt. Ilja ging entschlossen auf die Kampffläche und zeigte eindrucksvoll eine fehlerfreie Chatanyara Kushanku. Philip Jüttner setzte mit Gangaku nach, hatte aber in seiner Ausführung einige Unsicherheiten drin, so das der Titel zum fünften Mal verdient und erneut an Ilja Smorguner ging.

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Man spürte am gesamten Wochenende, dass das Bayerische Team eine Einheit bildete und Jeder für Jeden zur Seite stand. Die Erfolge waren das i-Tüpfelchen und ein gelungener Abschluss einer bestimmt unvergesslichen Deutschen Meisterschaft am anderen Ende Deutschlands.

Bericht und Bilder:
Melanie Feldmeier


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  Fazit von Leistungssportreferenten Gerhard Weitmann: 
„Trotz sehr langer Anreise können wir aus bayerischer Sicht auf eine erfolgreiche und hervorragend organisierte DM zurückblicken. Mit 3 Gold-, 2 Silber- und 4 Bronzemedaillen konnten wir uns auf einem hervorragenden 3. Platz im Medaillenspiegel platzieren. Besonders erfreulich ist, dass alle Platzierungen ausschließlich von Landeskaderathleten errungen wurden. Die Kaderathleten, welche keinen Podiumsplatz erringen konnten, scheiterten meist erst im Poolfinale. Der Erfolg ist aus meiner Sicht, mit auf die lange, systematische und sehr intensive Vorbereitung unserer Kaderathleten zurück zu führen. Die Vorbereitung hatte dieses Jahr bereits im Dezember '16 begonnen und mit einem 5-Tageslehrgang und einem Tageslehrgang kurz vor der DM geendet. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Athleten und meinem Trainerteam für Ihr Engagement und Einsatz bedanken“.
 
     

 

Karate für Menschen mit Behinderung

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Wie gewohnt wurde das „Para-Karate“ wieder innerhalb der Leistungsklasse integriert und ausgetragen. Die Vorrunden liefen diesmal während den regulären Wettkämpfen. Die Finals starteten dann separat auf dem Podest vor dem großen Showdown der Leistungsklasse. Von den angereisten Teilnehmern war wieder ein Großteil aus dem oberbayerischen Traunreut anwesend. Die weite Reise hat sich für den 1. CKKS mehr als gelohnt. Mit Miroslav Rakic im Rolli-Karate und Andrea Nowak (geistig Behinderte) gingen letztendlich zwei Deutsche Meistertitel verdient an den Traunreuter Verein und deren Trainer Richard Schalch. Durch die zusätzlichen drei Bronzemedaillen von Dajana Kuhnert, Michaela Söhnlein, Josef Hoisl war der 1. CKKS Traunreut auch der stärkste Verein dieser Deutschen Meisterschaft. Eine weitere Goldmedaille gewann Dr. Christoph Rieck aus Hemhofen und trug dazu bei, das der BKB einer der erfolgreichsten Landesverbände im Para-Karate bleibt.



Bericht und Bilder:
Melanie Feldmeier