18.03.2018 - Trainermeeting 2018

trainermeeting 2018Gute Stimmung unter den Karatekas trotz Teilnehmerflaute

Blinder Karateka René Steinhübel übt sich in Kyusho-Jitsu

Ingolstadt / Oberhaunstadt - Der Bayerische Karate Bund hat mit 1200 Übungsleitern eine große Anzahl lizenzierter Trainerinnen und Trainer. Vor allem für jene Karatekas richtet Breitensportreferent Fritz Oblinger das jährliche Trainermeeting aus, welches zur Weiterbildung und Austausch dienen soll.

Natürlich ist es auch jedem anderen Karateka einer höheren Graduierung gestattet, an diesem Lehrgang teilzunehmen. Die Auslagen der Referenten übernimmt der BKB, so dass hier der Event kostenlos angeboten wird. Leider gab es in diesem Jahr einen Teilnehmereinbruch, so das sich nur knapp 60 Interessierte in der Halle in Ingolstadt beim TSV Ober-,Unterhaunstadt einfanden. Gerade in Anbetracht der vielen Übungsleiter und des gebührenfreien Trainingsangebotes ein doch enttäuschendes Ergebnis für die Organisatoren. Fritz Oblinger hatte in diesem Jahr mit Gasttrainer Carlo Fugazza einen internationalen Referenten eingeladen. Zudem machte Leistungssportreferent Gerhard Weitmann das Team komplett.

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Carlo Fugazza hatte in seiner ersten Einheit die Heian Godan und Bassai Dai im Gepäck. Nachdem die Gruppen überschaubar waren, nahm er sich umso mehr Zeit für einzelne Teilnehmer und legte viel Wert auf Basics und die korrekten Stände. Allerdings fiel ihm auf, dass es teilweise Schwierigkeiten in der Bunkai-Umsetzung hab. „Es scheint, wie wenn ihr nie wirklich oft Bunkai übt? Ihr lernt die Abfolge, ihr wisst, was ihr macht, aber ihr könnte es nicht am Partner umsetzen!“ Auch forderte er seine Gruppe auf, mit etwas mehr Energie im Training zu agieren. „Wir können nur verstehen in dem wir üben…“ ermahnte er die Teilnehmer.

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Fritz Oblinger legte seinen Schwertpunkt unter anderem wieder in Richtung Kyusho-Jitsu. Er erzählte, das die Meridiane und Nervenbahnen im Körper wie ein Fluss seien, es gibt immer wieder Öffnungen und Verzweigungen, bei welchen das Wasser entweichen kann. Auch durch kleine Veränderungen in der Technik, ist die Wirkung und der Schmerz eines Schlages viel intensiver. Diese Erfahrung durften seine Teilnehmer in verschiedenen Übungen am Partner mit einer gewissen Kontrolle anwenden.

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Leistungssportreferent Gerhard Weitmann hatte zu Demonstrationszwecken seinen Sohn und Kader-Athleten Lukas Weitmann dabei. Er erklärte Eingangs, dass ein umfangreiches Dehnen zu Beginn einer Trainingseinheit nicht förderlich ist. Wenn, dann sollte ein aktives Dehnen mit z.B. Schwingbewegungen idealerweise angewendet werden. Allerdings ist ein Dehnen nach dem Training durchaus wichtig. Nach einer kurzen Aufwärmphase veranschaulichten beide verschiedene Übungsformen, vor allem in Bezug auf schnelle Steppbewegungen und Folgetechniken im Kumite. Die Teilnehmer durften mit Hilfe von Distanzhütchen am Boden verschiedene Aufgaben „durchlaufen“, wobei der Schwierigkeitslevel immer mehr gesteigert wurde.

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Unter den anwesenden Teilnehmern fand sich auch René Steinhübel aus Wemding. Der 42-jährige Karateka betreibt seit 1991 Karate. Seit er 18 Jahre alt ist, verringert sich seine Sehkraft durch einen Gendefekt, der sog. Retinitis Pigmentosa und führt über verschiedene Stadien unausweichlich zur vollständigen Blindheit. Sein „Glück“ war damals, dass er noch vor seinem fortgeschrittenen Handicap mit Karate angefangen und somit die Techniken sehen und Basics erlernen konnte. Mittlerweile hat er nur noch eine Sehkraft von knappen 4%. Kürzlich trat er erfolgreich zur 1. DAN Prüfung an, welche er erfolgreich absolvierte. Nachdem er immer wieder selbst an seine Grenzen gehen möchte, probierte er sich am Trainermeeting zum ersten Mal in Kyusho-Jitsu. „Es war ganz interessant, aber ungewohnt. Das Erlernen geht langsam und man braucht Zeit und Geduld. Ich muss viel mit den Händen ertasten, was einiges an Konzentration erfordert. Aber das ist alles kein Problem, wenn man gute Partner hat, die diese Geduld ebenfalls aufbringen und man das gegenseitige Vertrauen hat,“ so René. Mit Ines Stinglwagner, die ihm den ganzen Tag erklärend zur Seite stand, hätte sich Rene keine bessere und geduldige Trainingspartnerin wünschen können.

Für 2019 wäre es wichtig und wünschenswert, dass dieses kostenlose Angebot des BKB wieder mehr Zulauf findet, so dass wir noch viele Jahre das Trainermeeting mit weiteren tollen Referenten genießen und davon lernen dürfen.

Bericht und Bilder:
Melanie Feldmeier